My whole life is a fake

Ich muss mich geradezu zwingen, diesen Eintrag zu schreiben.

Ich habe die fahle Hoffnung, es würde mich klarer sehen lassen, wenn ich das, was ich denke, aufschreibe. Dabei ist da ja so herzlich wenig, und gerade das ist das Problem. 

Auf die Frage "Wie geht es dir?" habe ich schon lange nicht mehr wirklich geantwortet. Nicht, dass ich gelogen hätte. Ich habe mir nur einfach keine Gedanken gemacht. Und das ist irgendwo fast ein bisschen beängstigend. Wenn ich daran denke, dass ich vor noch garnicht so langer Zeit Romane darüber schreiben konnte, wie es mir geht, mich ewig darüber unterhalten konnte, meine Situation analysieren, und jetzt -  kommt da nichts mehr. Garnichtsmehr.

Ich bin dauerhaft gereizt und jede Gefühlsregung verstärkt das nur noch. Sobald ich anfange, mich irgendwie zu fühlen - egal, ob es etwas positives oder negatives ist - werde ich wahnsinnig wütend. Das macht mich fertig. Jeden, der mir über den Weg läuft, scheiße ich an. Ganz besonders ihn. Von außen betrachtet könnte man meinen, dass ich systematisch versuche, etwas kaputt zu machen. Es fällt schwer, zu glauben, dass ich einfach nicht anders kann, auch, wenn es so ist.

Und schonwieder. Mir steigen Tränen in die Augen - ich habe in letzter Zeit so nah am Wasser gebaut, früher habe ich nie geweint, jetzt tue ich es dauernd -  aber sobald sie kommen, werde ich wahnsinnig wütend und schlucke sie runter. Mein Kopf dröhnt. Ich habe seit einigen Tagen dauernd Kopfweh. Müde bin ich auch wieder mal an einem Stück.

Ein immer wieder kehrendes Karussell von Trauer-Wut-Gleichgültigkeit. Mit letztem komme ich noch am besten klar. Und alles kommt doch von garnichts. Ich habe nicht die geringste Legitimation für nur eines dieser Dinge.

Ich verhalte mich wirklich zum kotzen.
Jetzt gerade ist es mir egal. Nachher werde ich wieder wachliegen, weinen, und Angst haben, mit meinem Verhalten alles zu zerstören und ihn zu vergraulen. Yeah. 

 

Es ist zum kotzen. Es ist so wahnsinnig anstrengend. 

 

16.11.07 20:46


Lass nicht los.
Wie kann es sein, dass diese Welt sich weiter dreht ?

Lass nicht los... 

3.11.07 21:32


Alles, nur das nicht.

2.11.07 15:36


Lol ô__O

Ich war gerade überrascht, als ich mich selbst gefragt habe, was ich eigentlich von mir erwarte. 

Was erwarte ich von jemandem, der sich anmaßt, in doch einigen Position soviel Verantwortung zu übernehmen ? Was erwarte ich von jemandem, der sich anmaßt, sich selbst als einigermaßen stabil, fast schon gesund zu bezeichnen ? Was würde ich von mir erwarten, wenn ich jemand wäre, der von außen auf mich blickt ? Wie will ich gesehen werden ? Und warum bin ich nicht so ?

Ich erwarte von mir kein 24h-lächeln. Kein pausenloses Glücklichsein. Ich erwarte auch nicht, eine perfekte Optimistin zu sein. Was ich von mir erwarte, ist, dass ich nicht in Selbstmitleid versinke, wenn es mir schlecht geht sondern versuche, soviel wie möglich auf die Reihe zu bekommen, nicht einen auf die "Ich mach ja doch nur alles falsch"- Tour zu machen sondern meine Situation zumindest minimal objektiv und realistisch zu bewerten. Geradezu ein Schock, sich das mal wieder vor Augen zu führen. Aber ein positiver.

Wenn es geht, ist das super. Wenn es nicht geht, ist es auch nicht schlimm. Dann versucht man es eben nochmal & nochmal. Dann lässt man sich eben Zeit.  

Wort-zum-Sonntag-Mantra :D 

14.10.07 21:08


[Seether]

It seems like every day’s the same
and I’m left to discover on my own
It seems like everything is gray
and there’s no color to behold
They say it’s over and I’m fine again, yeah
Try to stay sober, feels like I’m dying here
...
Why try to stay sober when I’m dying here ?

--------------

 

Ich fühle mich ziemlich leer. Ausgequetscht, hohl. Nichts mehr da und dann doch soviel, dass es überall drückt und raus will.

Soviel Wut. Ich möchte mir eine Knarre nehmen und jeden, der mir in den Weg kommt erschießen. Mir ist wirklich danach. Ha-ha. Ich heule viel zu viel. Ich lag letzte Nacht 16 Stunden im Bett. Dauernd aufgewacht, geweint, wieder eingeschlafen. So sehr ich mir auch wünsche, irgendwas rausheulen zu können, damit ein bisschen Abstand von was-auch-immer zu bekommen, so sehr macht es mich aggressiv, wenn ich es dann tatsächlich tue. Das sind dann doch zuviele ekelhafte, unpassende Gefühle.

Zusammenreisen für Nichts und wieder nichts. There's nothing left to hold me.

Ich habe heute Nacht geträumt, dass ich mich umbringe. Ich bin schweißgebadet aufgewacht, und wusste nicht, ob ich froh oder enttäuscht sein sollte, dass es nur ein Traum war. Mir ist erst einige Minuten danach aufgefallen, was für ein unpassender Gedanke es doch war, enttäuscht zu sein. Natürlich ist man in meiner Situation froh, wenn man noch lebt. Sollte man doch sein. Herrgott nochmal, und wenn man es trotzdem nicht ist ?

Scheiß drauf. Ist unwichtig, Kleines. Zähne zusammenbeißen und weitermachen. Für das Nichts, das du noch hast.

13.10.07 18:29


"Ich fühle mich komisch" Standartaussage. Schön nichtssagend. Physisch und psychisch. Beides. Und dann doch wieder nichts davon. Dann ist es wieder doch nur ein aus Langweile produziertes (oder produzierendes) Pseudogefühl. Oder eine Lüge. Wenn schon keine Lüge, dann zumindest nur eine Halbwahrheit. Blabla. Wortkotze. Toller Ausdruck, wenn auch nur geklaut.

Feiertage scheinen mir nicht gut zu tun. Sind genau wie Wochenenden. Zu viel Zeit, sich selbst bemitleiden zu können. Wie auch immer. An dem letzten Tag der deutschen Einheit war ich mit einer Familie, die nicht meine war, irgendwo in den Tiefen Baden-Württembergs unterwegs. Scheiß Regenwetter war damals. Schlößer besichtigen. Es war nicht meine Familie, und doch war es eher meine, als die jetzige. "Zuhause ist, wo du willkommen bist" - Heutzutage vermittelt also Werbung Werte. Ich frage mich, ob ich vor einem Jahr glücklicher war, als ich es heute bin. Ich habe keine Ahnung.Ich merke gerade, dass ich bis heute immer nochnicht gelernt habe, links und rechts auf Anhieb auseinanderzuhalten. Und dass ich das Lied "How do you do" immer noch mag. Ansonsten hat sich auch nicht viel geändert. Oder ? Oder ? Natürlich hat sich eine Menge geändert. Aber so wirklich ? Ich bekomme Kopfschmerzen. Habe ich in letzter Zeit öfter. Ein klares Anzeichen, eine Bitte meines Körpers, sich weniger komplexen Fragen zuzuwenden. Oder zumindest weniger persönlichen.

Wüsste ich nur, was es da gibt.

Morgen früh habe ich einen Termin in der Klinik. Ich weiß garnicht, was ich da soll. Ich habe bereits mit dem Gedanken gespielt, ihn abzusagen. Ich kenne die Frau da nochgarnicht. Ich habe keine Lust, ihr alles nochmal von vorn erzählen zu dürfen. Es ist doch eh scheißegal. Ich werde aggressiv, allein bei dem Gedanken daran, und ich weiß garnicht so recht, warum. Ich könnte was zerschlagen. Oder jemanden zerstückeln. Ja, danach ist mir lustigerweise gerade. Ich möchte heulen. Oder lachen, weil die Welt so verdammt komisch ist.

3.10.07 14:26


And she starts to cry, and she's asking why her life's always the same

(...but she does not see, that unfortunately there's  no one here to blame)



Schrilles, ungeliebtes Weckerklingen. Umdrehen, liegenbleiben. Meine Mutter, die in der Tür steht, und mir zuruft, ich hätte schon eine halbe Stunde verschlafen. Sich aus dem Bett quälen. Das warme Wasser der Dusche, das nur mäsig über das Verlassen des Bettes hinwegtröstet. Voller Panik das Französischbuch oder das Englischreferat zusammensuchen, das Frühstück runterschlingen, im umherlaufen Zähne putzen. Mit dem Fahrrad beinahe die 30 km/h - Geschwindigkeitsbegrenzung überschreiten ("Hier gilt die Straßenverkehrsordnung!" Für das vergessene Licht einen Tadel von Herrn H. einheimsen, sobald man auf den Schulhof fährt.

Von aufmüpfigen 5.Klässlern Schimpfwörter an den Kopf geknallt bekommen, die sie in ihrem Alter noch nicht kennen dürften. Sich bei der Vokabelabfrage ganz klein machen, die ersten beiden Stunden mehr schlecht als recht hinter sich bringen, in einem Zustand vergnügter Gleichgültigkeit. Eventuell den neuesten Klatsch & Tratsch hören. In der Pause - allerdings erst 2 Minuten vor dem Gong - feststellen, dass man die Physikhausaufgaben noch hätte abschreiben sollen und ausserdem noch etwas mit dem Deutschlehrer klären wollte. Das Klo belagern, zum Hausmeister gehen, noch mehr Klatsch und Tratsch. Hast du gestern die neueste Folge von Popstars gesehen ? Nee, erzähl ! Volksverdummung. Das wissen wir alle und nehmen es dennoch mit einem Achselzucken hin. Hoffen, dass andere Leben spannender sind als unsere eigenen.

Kleinere und größere Dramen unserer Durchschnittsleben werden bequatscht, während wir uns im Religionsunterricht an einen als Gruppenarbeit getarnten Tisch zusammenquetschen. "Dirk hat mich gestern angerufen" - "Der will was von dir ! Das merkt man doch gleich. Wie er dich immer anschaut...." oder "Meine Mutter lässt mich am Wochende nicht zu der Party. Ich könnte ihr echt an den Hals springen" sind die typischen Gesprächsfetzen, die von relativ weit her an mein Ohr dringen. Ab und zu gibt es da auch ein "Ich hab endlich mal 3 Kilo abgenommen. Hatte es ja auch bitter nötig", was eine Mischung aus einem fishing-for-compliments ("Stimmt doch garnicht !Das hast du absolut nicht nötig!", einer Wichtigtuerei und einer ernstgemeinten Selbstwahrnehmung darstellt. Mich macht es hauptsächlich wütend, wenn ich soetwas höre. Und neidisch.

Egal, ob es 4,6 oder 8 Stunden unterricht sind - jeder Schultag neigt sich gottseidank irgendwann dem Ende, und ironischerweise artet es unter den Mädels zum Ende eines Schultags geradezu zu einem "Gruppenkuscheln" aus - jede muss jede einmal zur Verabschiedung umarmen - obwohl man sich bei der Hälfte wünscht, sie nichtmehr wiedersehen zu müssen. Schongarnicht am nächsten Tag. Wir sind allerdings gewöhnt, zu heucheln. Wir schmeissen alle mit Komplimenten und Zuneigungserklärungen um uns, als wären es "Hallo"s, und bemerken nichteinmal mehr, wie sehr es an wert verliert, jemandem zu sagen, man habe ihn sehr gern, und er sei einem wichtig.

Zuhause angekommen schlingt man das nächstbeste Essen in sich hinein, ohne viel Genuss oder Beachtung, gerade zu gierig. Dafür nagen die Gewissensbisse danach auch ganz schön an einem. Hausaufgaben. Unter schrecklichen Seufzern realisiert man, das man heute schonwieder zwei Nummern in Mathe aufbekommen hat, UND auch noch nen Aufsatz in Deutsch, UND ne Übersetzung in Latein, UND Vokalben in Englisch. Man macht ungefähr die Hälfte. Der Rest wird am nächsten Tag in der großen Pause "nachgeholt" - oder ganz vergessen.

Jeans aus, Jogginghose an, Pc an. Und wieder verlaufen sich die Worte. Wieder wird man von kleinen Anekdoten aus dem Alltag geradezu überschwemmt, über die man bestenfalls schmunzeln kann. Auch dort scheint es nicht vielmehr Gesprächsthemen zu geben als den Alltag auf der Mattscheibe. Zu diesem Anlass fragt sich, wer hinter Glas lebt - die Menschen dort drinnen oder wir.

Als Lükenfüller in der Stille der ICQ-Gespräche (Und auch das ist meist eher im Singular vorzufinden) bietet sich Youtube an. Noch mehr fremde Menschenleben. Oder durch die neuesten Nachrichten googeln. Aber nur die mit Unterhaltungsfaktor. Unser Leben, oder das, was wir in unserer Freizeit daraus machen, gleicht einer einzigen "Exclusiv"-Reportage bei RTL. Oder noch eher einer "Talk-Talk-Talk" Sendung. Wir stopfen uns mit Informationen über das Leben anderer Menschen voll, um unser eigenes weit von uns selbt wegschieben zu können. Soviel wie möglich auf einmal, so ungeheuerlich, wie es nur geht. Wir wollen den Kopf schütteln können und uns daran erfreuen, wie zivilisiert wir doch sind. Haha.

Huch, schon 11 Uhr abends, schaut man entsetzt auf die Uhr. Ich muss morgen früh raus ! Aber irgendwie ist man froh, den Tag hinter sich gebracht zu haben. Der Schlaf ist noch der schönste Teil des Tages. Nichts tun, nichts denken, keine Verantwortung, vielleicht träumt man sogar. Selbst, wenn man sich am nächsten Morgen nichtmehr daran erinnern kann, so kann man sich vielleicht für kurze Zeit in ein Leben träumen, mit dem man zufriedener wäre als mit diesem.
Wüsste man doch bloß, was für eins das sein sollte. 

Und irgendwie ist es ja auch egal. Ist ja alles okay so. Man hat ja alles. Man soll ja nicht meckern. Es geht so vielen Menschen so schlecht, man hat doch alles, also Mund zu und weitermachen. Das Überfluss krankt macht, dessen ist man sich zwar bewusst, aber was soll man denn daran ändern ? Es gibt nichts. Zweifelnde Momente werden runtergespült.

"Weiter, weiter ins Verderben, wir müssen leben, bis wir sterben."

 

26.9.07 20:27


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